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Update 22.06.2016 Tag 7 Dritter Versuch eines Gipfelansturms

Bergpanorama

Update 22.06.2016

Es ist 0:36 und eigentlich der 8. Tag. Nach einem grandiosen Abschlussabend schreibe ich diese Zeilen. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben keinen Gipfel in dieser Woche „bezwungen”, weil es das Wetter bzw. die Rahmenbedingungen nicht zugelassen haben. Ich hätte gerne noch einen 3000er mit einer Gletscherüberschreitung gemacht, aber es war uns nicht vergönnt. Warum? Dazu später mehr.

Tag 7:

Wie gewohnt war um 07:00 Uhr das Frühstück angesetzt, damit es um 08:00 Uhr gestiefelt und gespornt losgehen könnte. Um 08:00 Uhr ging es dann pünktlich, bei dichtem Nebel, im Richtung Stubacher Sonnenblick los. Das war jetzt unser 3. Gipfelansturm?

Aufstieg im Nebel
Es geht wieder bei Nebel in Richtung eines Gipfels

Im Gänsemarsch bewegten wir uns in loser Formation in Richtung unseres ersten Wegpunktes.

Das Wetter war sehr ungemütlich und zum Nebel gesellte sich noch ein ordentlicher Schneefall. Das brachte und aber nicht vom Ziel ab. Aldo navigierte im Nebel mit seinem GPS und führte uns zu unserem ersten Wegpunkt. Dort legten wir unsere Steigeisen an und Banden uns die Seilschaften ein.

Aufrödeln
Steigeisen anlegen und einbinden in den Klettergurt

Danach ging es weiter stetig bergan in Richtung Stubacher Sonnenblick. Im dichten Schneetreiben kämpften wir uns mit Steigeisen und Eispickel bewaffnet den Berg hoch.

Schneetreiben
Im dichten Schneetreiben geht es in Richtung des Gipfeld

Um etwas Zeit einzusparen, haben wir probiert die Direttissima zu wählen. Der Weg führte uns über eine Scharte mit einem anschließenden kurzen Abstieg über einen alpinen Klettersteig. Daran schloss sich ein knapp 35 Grad steiles Schneefeld an. Wir entschlossen uns, dieses kurze Stück in Seilschaft mit Steigeisen abzusteigen. Mathias ging in den Verstieg und ich folgte. Als Mathias einen guten Standplatz im Schneefeld, unterhalb der knapp 2 Meter langen Kletterstelle erreicht hatte, passierte es. Als ich das Schneefeld betrat, rutschte ich trotz Steigeisen weg und brachte mächtig Zug auf das Seil.  Dr. Mike war im Nachstieg und musste sich ein wenig mühen, dass er nicht aus dem Gleichgewicht geworfen wurde. Bei der ganzen Aktion wurde ein Steinschlag ausgelöst, dabei traf mich ein kleiner Stein unterhalb des Auges. Wenige Sekunden später hatte ich mich wieder gefangen und suchte mir einen guten Stand unterhalb der Kletterstelle. Während dieser Situation hatte sich das Wetter rapide geändert und es setze ein Eisregen ein. Nach kurzer Rückfrage, per Zuruf, entschieden wir hier abzubrechen. Das bedeutete, dass Mathias und ich wieder aufsteigen sollten. Leichter gesagt als getan. Ich probierte mit den Steigeisen den Aufstieg. Leider klappte das nicht so wie geplant. Als ich versuchte mich an einem Felsvorsprung nach oben zu drücken löste sich dieser und fiel mir auf das Knie. Dort lagen nun 2 mittelgroße Felsbrocken und drückten auf mein Knie, einer davon direkt auf meine Kniescheibe. Das konnte ich nur wenige Sekunden aushalten. Ich bewegte mein Knie und die beiden Steine vielen nach unten. Leider stand Mathias in der Falllinie der Steine. Bevor ich was rufen konnte, rauschten die Steine schon in Richtung Mathias. Zum Glück an ihm vorbei! Mathias was not amused. Hier noch mal ein ganz großes Entschuldigung an Mathias!! Das Schneetreiben bzw. der Eisregen nahm immer mehr zu. Ich merkte, dass ich so, ohne Hilfsmittel, nicht nach oben kommen würde, vor allem nicht mit Steigeisen. Nach kurzer Rücksprache mit Aldo, zog ich die Steigeisen aus. Währenddessen stieg Aldo in meine Richtung ab, um mir mit einer langen Reepschnur Unterstützung zu geben. Das klappte dann auch super gut. Nach wenigen Minuten stand ich wieder in der Scharte.

Wieder oben
Ich bin wieder oben, es fehlt nur noch Matthias

Jetzt musste nur noch Mathias nachsteigen, der die ganze Zeit in ziemlich ungemütlicher Position am Anfang des steilen Schneefeldes gestanden hat. Aber das klappte ziemlich ordentlich und schnell. Oben angekommen zog ich mir noch schnell eine 2. Jacke über und gönnte mir einen Schluck aus der Thermoskanne. Als alle oben waren, ging es relativ zügig in Richtung Rudolfshütte zurück. Ich muss hier noch einmal erwähnen, dass ich während der ganzen Situation keine Angst hatte. Aldo hatte uns während der letzten Tage hervorragend auf genau solche Situationen vorbereitet.  Für mich persönlich betrachtet, wäre diese Situation mit mehr Erfahrung und kletterischen Fähigkeiten meinerseits sicherlich anders zu lösen gewesen. Ein paar Kilo weniger am Bauch und mehr Muckis helfen sicherlich auch.  Als kleine Anmerkung am Rande, die Standplätze von Mathias und mir waren alles andere als bequem.

Also zurück zur Rüdolfshütte. Dort kamen wir gegen 12 Uhr wieder an. Schnell unter die warme Dusche und danach einen Cappuccino ☕️. Um 14 Uhr trafen wir uns wieder in der Kletterhalle der Rudolfshütte. Nach einer kurzen lessons learned zu den Geschehnissen des Vormittags übten wir erneut das Thema Vorsteigen/Nachsteigen kombiniert mit dem Standplatzbau. Ebenfalls gab es wieder eine Station zum Abseilen.

 

Gegen 18 Uhr war dann Schluss und es ging in den Materialkeller, das ganze Equipment zurückgeben und eine kurze Abschlussrunde.

Nach dem Abendessen haben wir dann noch alle fröhlich was zusammen getrunken und viel gequatscht.

Damit ging eine wirklich klasse Woche zu Ende, in der ich wieder einmal tolle Menschen kennenlernen durfte. Meine Leistungsgrenze habe ich auch wieder ein kleines Stück verschieben können.

Was wir nicht geschafft haben, ist einen Gipfel zu erklimmen. Vielleicht hätten wir den Berggöttern eher ein Opfer bringen sollen, denn am Abreisetag (Samstag) war strahlend blauer Himmel.

Opfer an die Berggötter
Der Berggöttern wir ein Opfer gebracht.

Ich möchte kurz noch ein paar Sätze zu Aldo schreiben.

Aldo beim erklären
Aldo erklärt noch einmal die Standplatzsicherung

Ich habe selten einen Menschen getroffen, der so viel positive Begeisterung für ein Thema ausstrahlte und das total unaufdringlich. Aldo hat in jeder Situation eine Ruhe ausgestrahlt, die sehr beeindruckend war. Auf Fragen von uns gab es immer eine kompetente Antwort und es wurde alles verständlich erklärt bzw. gezeigt, dabei hatte er immer so ein leuchten in den Augen, vor Begeisterung für das Klettern/Bergsteigen. Die einzelnen Module wurden immer wieder zu größeren neuen Modulen verknüpft. So wurde es nie langweilig und wir wurden immer wieder angemessen gefordert. Trotz aller Ernsthaftigkeit, die das Thema „Bergsteigen/Gletschertouren“ erfordert, haben wir viel Spaß gehabt und eine Menge gelacht. Während der gesamten Woche legte Aldo neben der richtig angewandten Technik, sehr großen Wert auf ein gutes Risikomanagement, damit wir alle sicher vom Berg zurückkamen. Wir hatten wirklich Glück, dass wir mit Aldo einen Vollprofi als Bergführer für diese Woche bekommen haben.

Danke, Aldo!

Gruß Jo-Jo

2 Kommentare zu “Update 22.06.2016 Tag 7 Dritter Versuch eines Gipfelansturms

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